2014

Quynh Dong – «Tears of a Swan»

23. Februar 2014 - 13. April 2014

Koreanische Musikclips und TV Soaps sind für Quynh Dong ebenso Inspirationsquelle wie die Werke des amerikanischen Videokünstlers Bill Viola oder das Theater von Samuel Beckett. In ihren Videos und Performances vermengen sich Versatzstücke verschiedenster Provenienz zu vordergründig leichten, tatsächlich aber melancholischen Bildern. Diese umkreisen eine Wirklichkeitserfahrung, die von der Allgegenwart des medialen Konsums durchwirkt ist. Für den Kunstraum Baden hat die Künstlerin, die 1982 in Vietnam geboren wurde und seit 1990 in der Schweiz lebt, eine dreiteilige Installation konzipiert. Diese dreht sich um die Sehnsucht nach dem Glück und erzählt vom Leben als Warten.

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Einen ersten Auftritt im Kunstraum Baden hatte Quynh Dong bereits im Rahmen der Austragung des «Performance Preis Schweiz» im August 2012. In ihrem damaligen Beitrag «My Everything» performte die Künstlerin als affektiv mitgerissene Konsumentin einer offenbar sentimentalen, für das Publikum aber unsichtbaren TV-Soap. Aus ihrem Atelier in der Rijksakademie in Amsterdam, wo Quynh Dong aktuell an einem exklusiven Förderprogramm teilnimmt, bringt sie überdimensioniert grosse Rosenblätter aus Keramik mit. Obwohl in aufwändigster Handarbeit hergestellt, wirken die zartrosa glasierten Keramikteile glatt und perfekt als kämen sie aus der Fabrik. «Tears Of A Swan», so heisst der romantische Blütenteppich, fügt sich bestens zur Videoprojektion « Sweet Noel». Die Künstlerin hat sich selbst elf mal in einen bunten Garten montiert. Während zehn ihrer Alter Egos mit verträumten Gesichtsausdruck oder gesenktem Blick stehend, sitzend oder liegend posieren und auf ihren Einsatz warten, gibt die elfte mit zarter Stimme die Sängerin. Die Frauen tragen alle dasselbe elegante, pinkfarbene Kleid – die kunstseidene Version eine traditionellen vietnamesischen Gewandes. Das Setting der Arbeit "Sweet Noel" ist eine Adaption des Lackbildes «Vuon xuân Trung Nam Bac» (Frühlingsgarten von der Mitte, von Süden und von Norden) von Nguyen Gia Trí (1908 – 1993). Es befindet sich heute im Kunstmuseum von Ho-Chi-Minh-City. Zu hören ist das Liebeslied «Hai Mùa Noel» («Zum zweiten Mal Weihnachten»). In vielen vietnamesischen Videoclips wird dieses im Setting einer Schneelandschaft gezeigt. Bei Quynh Dong ist daraus ein Schneegestöber geworden, das über den Garten gelegt, in der Mitte des Videos einsetzt. Dies entspricht ganz dem von der Künstlerin gesetzten Titel «Sweet Noel». Als Zusammenzug von «Hai Mua Noel» und dem amerikanischen «Sweet Sixteen» hat Quynh Dong das Setting konsequent in den Frühling verlegt.

Die Wechselwirkung zwischen den Kulturen und das Diffundieren einzelner Phänomene von einem Kulturkreis in den andern, spielt im Schaffen von Quynh Dong eine zentrale Rolle. In "Sweet Noel" finden Elemente unterschiedlichster Herkunft zusammen: Zum Beispiel die vom französischen Chanson beeinflusste Liedkultur Vietnams oder das in knalligem Pink gehaltene, also aufgefrischte Kleidungsstück traditioneller Provenienz, die von Nguyen Gia Trí begründete (von der europäischen Malerei beinflusste) moderne Lackmalerei Vietnams, ein traditionalistisches Frauenideal oder amerikanisch inspirierte Lebensart.

Während die USA als kulturstiftender Faktor in «Sweet Noel» eher marginalen Charakter haben, steht der amerikanische Traum im zweiten Video im Fokus. Es heisst «My Second Paradise» und wird auf der Kehrseite der Wand von «Sweet Noel» projiziert. Auf einem bunt blinkenden Diskoboden stehen zwei Männer. Es sind amerikanische Vietnamesen, die auf Coney Island leben. Quynh Dong hat sie in der «Blood Church» in New York gecastet. Entsprechend ist die geloopte Bildsequenz mit kirchlich anmutenden Klängen unterlegt. Quynh Dong hat die Männer gebeten, sich selbst zu spielen und sie anschliessend in ein knallig blinkendes Setting montiert. Dort stehen sie nun im ortlosen Raum einer durch und durch medialen Parallelwelt. Sie wechseln von einem Fuss auf den andern, rauchen oder halten sich das Mobiltelefon ans Ohr. Hin und wieder verändert sich das Outfit des Älteren. Ansonsten stehen sie einfach nur da und warten. Worauf? Dass der amerikanische Traum auch für sie in Erfüllung gehen möge? Die Situation gemahnt unübersehbar an Beckett. Was tun die Protagonisten, die elf Frauen und die zwei Männer, die Quynh Dong in den Kunstraum Baden mitgebracht hat? Ganz mit sich selbst beschäftigt, scheinen sie in ihren medial unterfütterten Träumen zu verharren.

Quynh Dong wurde 1982 in der Hafenstadt bei Hanoi, Hai Phong, geboren und lebt seit 1990 in der Schweiz. Sie wuchs in Bern auf und schloss ihr Studium 2010 mit dem Master an der ZHdK ab. Nach einem Stipendiumsaufenthalt in New York nimmt sie bis 2015 an einem Förderprogramm der Reijksakademie in Amsterdam teil.

Vernissage Samstag 22. Februar 17 Uhr 
17.30 Uhr Begrüssung Daniela Berger,  Stadträtin Baden und Einführung Claudia Spinelli, Leiterin Kunstraum Baden 
Künstlergespräch Mittwoch 26. Februar 19 Uhr   
Mit Quynh Dong, Claudia Spinelli und Sarah Zürcher, Leiterin Museum Langmatt, Baden 
Kunst über Mittag Freitag 28. März 12.30 Uhr   
Ansichten: Identität und kulturelle Differenz Mittwoch 2. April 19 Uhr 
Tamineh Sanamrad (geb.1983 in Teheran), Merhaba Schaich (geb.1972 in Yining) thematisieren Aspekte der Ausstellung vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen. 
Moderation Anna-Flurina Kälin und Claudia Spinelli

Guido Nussbaum: Unter Welt & über Welt

22. Mai 2014 bis 6. Juli 2014

Guido Nussbaum (*1948 in Muri, lebt in Basel) ist Konzeptkünstler durch und durch. Nichts desto trotz kommt Kunst für ihn vom Machen: Für den Kunstraum hat er eine raumfüllende, multimedial durchwirkte Malereiinstallation in Planung, in der er das handwerkliche Tun des Künstlers ins Zentrum stellt. Für das Publikum wird der Kunstkosmos Nussbaums zu einem intensiven Denk- und Erlebnisraum, in dem es sich immer wieder neu zu verorten gilt.

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Nach Rolf Winnewisser im vergangenen Jahr lädt der Kunstraum auch 2014 eine bestandene Schweizer Künstlerpersönlichkeit ein, eine neue, spezifisch für den Ort konzipierte Installation zu realisieren. Guido Nussbaum konnte u.a. in der Kunsthalle Basel und im Aargauer Kunsthaus Einzelausstellungen einrichten. 2011 erhielt der Aargauer den Prix Meret Oppenheim des Bundesamtes für Kultur.

Kunst liebt Politik Mittwoch 25. Juni 19.00 Uhr 
Kann man mit künstlerischen Mitteln für eine bessere und gerechtere Welt kämpfen?  
Guido Nussbaum (geb. 1948, Künstler und Kommunist) unterhält sich mit Eva-Maria Würth (*1972) und Philippe Sablonnier (*1968)von Interpexel und Rayelle Niemann (geb. 1958) Kuratorin. Claudia Spinelli (*1964) moderiert. 
Interpixel sind Eva-Maria Würth (*1972) und Philippe Sablonier (*1968). Eva-Maria Würth studierte an der Hochschule Luzern Kunst und arbeitet zur Zeit als Dozentin im Bereich "Kunst und Öffentlichkeit". Philippe Sablonier betreibt neben seiner künstlerischen Tätigkeit eine Kommunikationsagentur in Zürich und baut im Auftrag des Berufsverbands visuelle Kunst, Visarte Schweiz, das Aus- und Weiterbildungsprogramm 'Soziale Sicherheit für Kunstschaffende' auf. Als Künstlerduo Interpixel arbeiten die beiden seit zwölf Jahren zusammen und realisieren Kunstprojekte an der Schnittstelle von Kunst, Gesellschaft und Politik.
www.interpixel.com 
www.kunstlehrstuhl-bbb.ch/index/56-stunden-woche.html 
Rayelle Niemann untersucht und verbindet in ihren Projekten interkulturelle, gesellschaftliche Einflüsse und künstlerische Strategien. 1996 kuratierte sie im Kunstraum Aarau ihre erste Ausstellung in der Schweiz: «Vom Verschwinden des Körpers» 
www.kunstraumaarau.ch/archiv 
Ihr letztes Projekt fand im März 2014 in Zürich statt: «grosse Fluchten – kleines Asyl» 
grosse Fluchten – kleines Asyl 
Zwischen 2003 und 2012 wohnte sie in Kairo, realisierte Projekte u.a. in Syrien und Jordanien. Seit 2008 kuratiert sie gemeinsam mit Erik Dettwiler die Internetplattform  
www.citysharing.ch
Begegnung mit Guido Nussbaum Sonntag 18. Mai, 13.30 und 15:30 
Im Rahmen von «Objekt im Fokus», Veranstaltung zum internationalen Museumstag (vor der Vernissage!) 
Gespräch zwischen dem Künstler und Rolf Bismarck, Projektmitarbeiter Kunstraum
Vernissage Mittwoch, 21. Mai, 19:00 Uhr 
Kunst liebt Politik? Mittwoch 25. Juni 19 Uhr 
Kann man mit künstlerischen Mitteln für eine bessere und gerechtere Welt kämpfen? Perspektiven und Probleme. Guido Nussbaum (Künstler und Kommunist) unterhält sich mit Eva-Maria Würth (*1972) und Philippe Sablonnier (*1968)von Interpexel und Rayelle Niemann (geb. 1958), Kuratorin. Claudia Spinelli (*1964) moderiert. 
Kunst über Mittag Freitag 4. Juli 12.30 Uhr   

Warzone Peace

3. September bis 16. November 2014 (verlängert)

In der Ausstellung «Warzone Peace» werden viele Geschichten erzählt. Sie handeln von der Liebe und vom Streit, vom Frieden-Machen und vom Miteinander-Reden. Der Kunstraum Baden nimmt das 300-jährige Jubiläum «Frieden von Baden» zum Anlass, das Spannungsfeld zwischen Krieg und Frieden in der Gegenwart zu beleuchten. Der Blick setzt in der Intimität des Privatlebens an und bewegt sich über die Untersuchung medialer Darstellungen zu den Krisengebieten im Nahen Osten. 

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Wer von Frieden spricht, meint in der Regel ein Zusammenleben ohne Krieg und Gewalt. Er oder sie denkt an eine prosperierende Wirtschaft, an Wohlstand und Lebensglück. Alles Dinge, die durch die Abwesenheit von Repressionen überhaupt erst möglich, allerdings deswegen noch lange nicht selbstverständlich sind. Zwei Künstlerinnen und zwei Künstler formulieren im Kunstraum Statements zur Realität eines letztlich utopischen Phänomens. 

Mit Werken von: Andreas Hagenbach (*1964, lebt in Basel), Eric Hattan (*1955 in Wettingen, lebt in Basel und Paris), Anna Jermolaewa (1970 in St. Petersburg, lebt in Wien) und Daniela Keiser (*1963 in Neuhausen. Lebt in ZH). 
Kuratiert von Claudia Spinelli, Leiterin Kunstraum Baden
Kooperationsprojekte und Partner Ausstellung «Frieden verhandeln» im Historischen Museum Baden und Fantoche, internationales Festival für Animationsfilm.   

Vernissage  
Mittwoch, 3. September,  19:00 Uhr
Begrüssung und Einführung mit Claudia Spinelli, Leiterin Kunstraum Baden, 19.15 Uhr 
Kunst über Mittag  
26. September 12.30 Uhr 
«Methods of Social Resistance on Russian Examples»  
21. Oktober 19 Uhr  
Präsentation von und mit der Künstlerin Anna Jermolaewa, www.jermolaewa.com 
Künstlergespräch mit Andreas Hagenbach, Eric Hattan und Daniela Keiser  
26. Oktober 12 Uhr 
Gesprächsgast Daria Kolacka (Kulturwissenschafterin Basel und Poznan) und Claudia Spinelli (Moderation) 
Historikerin zu Gast im Kunstraum  
29. Oktober 19 Uhr 
Krieg und Frieden im Museum. Was kann die Kunst, was leistet die Geschichte. Claudia Spinelli (Kunstraum Baden) diskutiert mit Carol Nater Cartier (Historisches Museum).  
Führungen und Workshops oder ein Besuch der Ausstellung sind für Schulen, Private, Gruppen oder Vereine nach Absprache jederzeit möglich. Weitere Informationen finden Sie unter «Angebote». Lehrereinführungen auf Anfrage.   

Truffes & Trouvailles

7. Dezember 2014 bis 18. Januar  2015

Kunstraumleiterin Claudia Spinelli hat erneut die Ateliers im Umfeld ihrer Institution durchpirscht und reiche Beute gemacht.

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Ob Malerei, Fotografie, aber auch Skulptur und Installation: dem künstlerischen Schaffen sind keine Grenzen gesetzt. Der Kunstraum Baden stellt etablierte Künstlerinnen wie Beat Zoderer, Rolf Winnewisser oder Andy Wildi neben Junge wie Roman Sonderegger oder Patrick Graf. Highlights sind eine neue, noch nie gezeigte Fotoinstallation aus Bildmaterial, das Sonja Feldmeier von einem längeren Indienaufenthalt mitgebracht hat, sowie zwei wunderschöne, grossformatige Gemälde von Urs Aeschbach. Verspielte Strenge kommt aus dem Atelier der (soeben aus Genua zurückgekehrten) Badenerin Ruth Maria Obrist. Und die in Zürich gestrandete Engländerin Clare Goodwin bringt drei ihrer aus Diagonalstreifen gebildeten Porträts mit. Eigens für «Truffes & Trouvailles» hat Andy Wildi aus seiner Werkstatt im Tessin ein Set unterkühlter Bildphantasien in den Kunstraum transportiert. Mit den verspielten Objekten von Christian Greutmann aus Nussbaumen werden diese kontrastreiche Beziehungen eingehen: «Truffes et Trouvailles» ist eine Ausstellung für Entdecker. Mit ebenso spannenden wie käuflichen Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern nicht nur aus der Region. 

Rede zur Vernissage von Gabriele Stemmer Obrist, Ortsbürgergemeinde Baden.pdf 

Mit: Urs Aeschbach, Esther Amrein, Luigi Archetti, Annemarie Auer, Frances Belser, Nicole Böniger, Kathrin Borer, Peter Brunner-Brugg, Marius Brühlmeier, Beat Buri, Sonja Feldmeier, Gabi Fuhrimann, Susanne Fankhauser, Thomas Galler, Emanuel Graf, Patrick Graf, Bob Gramsma, Clare Goodwin, Christian Greutmann, Andreas Hagenbach, Roman Hofer, Andrina Jörg, Gabriele Kulstrunk, Pascal Marchev, Niggi Messerli, Ruth Maria Obrist, Monika Reize, Michael Roggli, Sara Rohner, Ursula Rutishauser, Merhaba Schaich, Esther Verena Schmid, Milena Seiler, Remigius Sep, Roman Sonderegger, Christian Vetter, Cäcilia Warmeling, Paul Takacs, wiedemann/mettler, Andy Wildi, Rolf, Winnewisser, Marianne Wüest, Nicola van Zijl, Beat Zoderer   

Vernissage Son 7. Dez. 16 Uhr 
Begrüssung Dr phil. I Gabriele Stemmer Obrist, Ortsbürgergemeinde Baden 
Einführung Claudia Spinelli, Leiterin Kunstraum Baden 
Kunst über Mittag Mi 17. Dez. 12.30 Uhr 
Finissage Sonntag 18. Jan. 16 Uhr