2015

«Distressed Geometry»

8. März - 26. April 2015

Die Künstlerin Clare Goodwin ist Initiatorin der Ausstellung «Distressed Geometry». Getragen vom Bedürfnis, ihre eigenen Arbeiten in einen Zusammenhang zu stellen und zu kontextualisieren, hat sie Künstlerinnen und Künstler aus ihrem Umfeld nach Baden eingeladen. Diese entstammen verschiedenen Generationen und leben entsprechend der Biografie der Künstlerin in Zürich und London. Was sie verbindet, ist das Interesse an einer geometrischen Formensprache, die bezeichnenderweise in allen erdenklichen Medien zum Ausdruck kommt. Ob nun auf einen Bildträger oder direkt auf die Wand gemalt wird, ob gewoben, mit Objekten gearbeitet, mit dem Zeichenstift oder gar als Film: Die Setzungen, welche die Ausstellung in den Fokus rückt, stehen für das Potential der aktuellen geometrischen Kunst. Diese vermag es, in ein Spiel zu verwickeln, das mithin die Konventionen der Geometrie aufweichen und auf unsicheren Boden führen kann.

Mit: Isha Bøhling, Bianca Brunner, Patricia Bucher, Thomas Galler, Clare Goodwin, Justin Hibbs, Vanessa Jackson, Sophie Michael, Tim Renshaw.
Projekt von Clare Goodwin, co-kuratiert mit Claudia Spinelli

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Die Entscheidungen, welche die Künstlerin Clare Goodwin als Kuratorin der Ausstellung «Distressed Geometry» fällte, sind geprägt von ihrer eigenen künstlerischen Praxis. Die diagonal laufende Wand, welche den vorderen Teil des Ausstellungsraum gliedert, findet sich auch in ihrer Malerei; ebenso die dominant gesetzte Schwarzweissstruktur an der hinteren Wand des zweiten Saales. Mit Patricia Buchers Teppichen am Boden hat der Kunstraum zudem eine wohnliche Komponente erhalten – ein Bild, das auch als inhaltliche Leitplanke einen guten Dienst leistet zum Verständnis der Ausstellung: Man kann sich «Distressed Geometry» als eine Art Wohngemeinschaft von Kunstschaffenden denken, die untereinander teilweise in einen intensiven Dialog verstrickt sind, teilweise aber auch etwas voneinander abgerückt eigene Wege gehen.

Patricia Buchers Rolle in dieser Ausstellung, die man auch mit einem Kammerspiel vergleichen könnte, ist die eines Gastes. Ihre künstlerische Arbeit gliedert sich in einzelne Projekte, die in immer wieder andere ästhetische Territorien führen. Massgebend für das aktuelle Arbeitskapitel – Aquarelle im Entrée, Kelimteppiche in den übrigen Ausstellungsräumen – war die Beschäftigung mit traditionellen Teppichmotiven sowie das Interesse am amerikanischen Architekten und Theoretiker John Hejduk, der die Idee der Wesenhaftigkeit architektonischer Formgebung prägte. Auf der Kippe zwischen Abstraktion und Figuration könnte man die Arbeiten der Schweizerin im ersten Moment für Werke der rusischen Konstruktivisten halten. Allerdings wir bald einmal klar, dass Patricia Buchers Werke trotz einer appropriativen Ausgangsposition Schöpfungen sind, in denen traditionelle Volkskultur und einstige Avantgarde auf höchst eigenwillige und eigenständige Art und Weise nachhallen.

Der Rückgriff auf traditionelles Kulturgut ist auch für Sophie Michaels Fiminstallation «Attika» prägend, die den Fokus auf die geometrische Musterung attischer Keramik aus dem 8. Jahrhundert vor Christus lenkt. Für den Film hat die Künstlerin Bildmaterial sich drehender Vasen zusammen montiert. Der Soundtrack nimmt die Drehbewegung auf. Dieser stammt von einer alten Schallplatte und gibt einen von Schleifgeräuschen durchsetzten `Laiki´-Gesang aus den 70er Jahren wieder. Das Rattern des Filmprojektors, der den geloopten 16 mm Film durch eine Repetitionsspule führt, rundet das Setting präzise ab.

Geometrische Kunst ist seit der Zeit der Avantgarden ein ästhetischer Dauerbrenner. Unter aktuelle Vorzeichen gesetzt und neu kontextualisiert, entwickelt sie sich bis heute weiter. Bianca Brunner zum Beispiel erprobt neue Wege an der Schnittstelle von Objektarrangement und Fotografie. Vanessa Jacksons Malerei wiederum ist energetische Hochspannung: Aus dem Lot gerückte Lineaturen und virtuos gesetzte Kurven führen auf eindrücklche Art vor Augen, wie ein flächiges Medium architektonische Setzungen aus den Angeln heben und die Atmosphäre in Vibration versetzten kann.

Für das Verständnis der Arbeiten von Clare Goodwin sind die Titel zentral. Ihre Bilder heissen «Jack», «Joan», «Susanna» oder «Mike»: Diese Namen in den Titeln versetzen die geometrischen Bilder in ein kontextuelles Spannungsfeld, das – wie ein Gerücht – zum Nachdenken anregt über die Bilder und die Welt, der sie entstammen. Natürlich sind diese Titel auch eine spielerische Unterhöhlung der Idee des autonomen Kunstwerks, das eng mit geometrischer Kunst verbunden ist. Tatsächlich aber lebenssatt und auf einem Boden kultureller Erinnerung gewachsen, sind die Arbeiten von Clare Goodwin ein subkutanes Plädoyer für den Gemeinschaftssinn. Diese soziale Komponente, die Clare Goodwins Schaffen durchzieht, kommt in ihrer Rolle als Kuratorin dieser Ausstellung pointiert zum Ausdruck.

Auf den ersten Blick wirken die Blätter von Thomas Galler harmlos und dekorativ. Epigonale Allerweltsmalerei könnte man vielleicht sogar sagen. Sobald man aber weiss, aus welchem Kontext die Blätter stammen, wird die Sache hochbrisant auf: Tatsächlich sind die sechs Zeichnungen Teil einer grösseren Serie: «The Prison Drawins». Sie basieren auf Bildvorlagen, die Thomas Galler im Internet aufgespürt hat: Ihre Autoren sind Gefängnisinsassen, Massenmörder vom Kaliber eines Charles Manson. Thomas Galler hat diese Zeichnungen nicht nur ausgewählt, sondern mit grösster Sorgfalt kopiert und – wie bei der Geldwäscherei – auf diese Weise dubioses Bildmaterial aus zweifelhafter Hand für den Kunstkontext rehabilitiert.

Wie kleine Bollwerke wirken die auf dicke Holzträger gemalten Bilder von Isha Bøhling. Ihr Interesse gilt dem Zusammenspiel von Ordnung und Unordnung, dem Ornament und dem Muster. Bei Justin Hibbs, der direkt auf die Wand gearbeitet hat, fasziniert das Spiel zwischen Signal, Fläche und angedeuteter Räumlichkeit. Und Tim Renshaw hat sich auf eine raffinierte Mikromalerei spezialisiert. Feine Lasurschichten, Schicht um Schicht aufgetragen, spielen mit der Idee von Zeigen und Verbergen. Gegenständliche Allusionen, sie gemahnen an Fensterfronten oder Gittertore, untermauern diese Dialektik.

Distressed Geometry

By Tim Renshaw: Albrecht Durer’s famous print Melancholia of 1514 presents a seated angel in a room surrounded by geometric objects and measuring instruments. The figure is withdrawn and pays no attention to the perfected forms and tools of science that surround him. There is a view outside but he pays no attention and, besides, it is blocked by a creature who holds up a sign inscribed with the word ‘melancholia’.

Yves-Alain Bois sounds hardly more engaged than the angel when writes of looking at ‘…the dull portfolio of 15 variations on a single theme’, a work of geometric persuasion from the 1930’s. Rather than realising the promise of a new objectivity free from the vanity of subjectivity, (‘we felt personality to be burdensome and useless….’), what the ‘erasure of the artist as the bourgeois dominator of his materials’ produces, Bois contends, is, instead, ‘…the author as slave to the authoritarian system of rationalization that his fight was designed to combat’.

Peter Halley’s post-modern reading in his text, “The Crises of `geometry’, drives this point to an extreme: here idealised geometric forms terminate in a nightmarish vision. In the text Halley traces the intersections between a geometric aesthetic and the political. His claim is that the so-called ‘hard geometries of institutions’ have since give way to the so-called ‘soft geometries of deterrence’. In both his text and his imagery Halley paints a big simple picture: the artist as seer penetrates the veils of appearance to reveal the hidden truth of power. It perhaps takes a melancholic disposition to be wary of signs with such assured meaning.

Geometry, Robin Evans proposes, has been associated as much with idiocy as cleverness. He quotes a passage from Joseph Conrad’s The Secret Agent in which Stevie, a mentally disabled youth, is ‘… seated very good and quiet at a deal table, drawing circles: innumerable circles, concentric, eccentric, a coruscating whirl of circles that by their tangled multitude of repeated curves, uniformity of form, and confusion of intersecting lines suggested a rendering of cosmic chaos, the symbolism of a mad art attempting the inconceivable.’

Cosmic chaos has a certain seductive charm about it with its suggestion of liberating vision out from the enclosed interior space of the melancholic and out of the prison house of geometry. Both extremes of geometry when they reach their limit produce their own kinds of negative distress. In art and in life total chaos is no less easy to live with than total routine and repetition.

Putting the adjective ‘distressed’ before geometry feels a bit awkward, even wrong, since the associations produced by this term are ones that belong more to the world of human bodily emotions. Do geometries lead such troubled lives? The answer may be ‘yes’, but only if they have dispositions sensitive enough to registering disturbance and agitations from the milieu they inhabit. Can geometries behave like a seismograph, possessing capacities to detect and pick up tremors? These invisible forces may be strong or barely perceptible.  Either way a form can show signs that it is deviating from its own given norms and patterns of behaviour. Distress in life is unpleasant, but in an artwork it may provide the occasion for unpredictability to enter and begin its disruptive work. And what is disrupted is the predictability and regularity of determined form: what was once complete becomes undone and new pathways and lines of development find a release.

It is worth noting, however, that the geometer him or herself plays a hand in all of this. As Merleau-Ponty observed, releasing bounded form also depends on the maker’s capacity to see those forms not as ‘fixed and dead’ but ‘traversed by lines of force,’ shot through with ‘indefinite’ meaning possibilities and sense-directions. If geometries can seismographically register shocks and fluctuations, this is because the geometer attunes lines and surfaces and inaugurate a system that is both malleable and susceptible to disturbance. In the history of painting from the early twentieth century the motivation to un-compose forms and release them from the grip of predetermination has had a rich and turbulent history one punctuated as much by dead ends as by new horizons. The test and challenge is one of opening form to chaos and simultaneously crystallising new insights and structures from this wild amorphous vagueness.

Melancholics, prisoners and idiots are some of the company the artist geometer shares along the way and, perhaps unwittingly, they all form part of the geometer’s psychological disposition. One measure of geometries and the geometer’s distress is that no sooner has one arrived than the work of undoing begins all over again. 

Isha Bøhling  *1970 Watford, UK.
British/Danish lives and works in London.Studied BA Honours Degree Fine Art at University of Plymouth (1994-97) and Masters of Fine Art at Central St Martins, London (2001-02) Bøhling works in painting, sculpture, sound, music and curating and has shown extensively and internationally. Upcoming shows include the Whitechapel Open, 2015 London, ‘Between thought and Space’ at Dilston Grove, London. Bøhling was shortlisted for the East London Painting Prize in 2014, nominated for the artist residency at the Getty Foundation at the Siena Arts Institute in Italy in 2012 and represented the UK at the Gongju Biennial, South Korea 2006. She has exhibited in ‘Transit’ at The Recoleta museum, Buenos Aires, Argentina and ‘Mars Now’ Rua Sympatica, Sau Paulo, Brazil. Recent London shows include ‘Systems and Patterns’ The Whitechapel Gallery, ‘Crash Open’ Charlie Dutton Gallery, ‘Double Vision’ Lion and Lamb, and 'Dig Down in Time', ‘Please Write’ Posted and Man and Eve Gallery. US shows include ‘Twin Twin’ at Pierogi Gallery, New York and ‘8x8x8’ at the Soap Factory, Minneapolis. Other Juried shows of note include the Hunter Museum Tennesse USA and The Sioux City Art Museum. USA. Bøhling has also been a finalist in the John Moores 23 Painting Prize, Artsway (2003) and the Red Mansions Prize (2002)

Bianca Brunner *1974 in Chur, lives and works in Zurich.
She received her Master of Photography from the Royal College of Art in London (2007) Recent exhibitions include The Feeling of Things, BolteLang Gallery, Zürich (2014) SOME / THINGS, Proyectos Monclova, Mexico, (2014) Docking Station, Aargauer Kunsthaus, Aarau, (2014) Twisted Sisters: Reimaging Urban Portraiture, San Francisco City Hall (2014) and Museum Bärengasse, Zurich (2013) We Return and Meet Again, BINZ39, Zurich (2013) Uninhabitable Objects. Behausung zwischen Imagination und Realität, Bündner Kunstmuseum, Chur.

Patricia Bucher *1976, lives and works  in Zürich and Berlin
Studied Fine Arts at ZHdK in Zurich and at the School of  Visual Arts NY.
Recent solo shows include 'nomad/homeland', Wallhouse #2, Groningen (2014) 'Fantastisch', Bomb Gallery, Mostar (2014) 'I need you to elevate me here', secondhome, Berlin (2012) 'Schlachtenpanorama', Manor Kunstpreis, Kunstmuseum Luzern (2011) Selected group shows include 'Sich ein Bild machen' Städtische Galerie, Waldkraiburg (2014) 'Keine Systeme', Black Box, Aarau (2014) 'Auswahl 13', Aargauer Kunsthaus, Aarau (2013). In Nov 2015 Bucher will have a solo presentation (with Martin G. Schmid) at Atelier Wilhelmstrasse 16, Stuttgart. 
Since 2013 Bucher teaches at the Schule für Gestaltung Aargau

Thomas Galler *1970 Baden, lives and works in Zurich
His works have been shown in numerous exhibitions including Aargauer Kunsthaus, Fotomuseum Winterthur, Kunsthaus Zürich, Kunstmuseum Luzern, Kunstmuseum Bern, Centre Culturel Suisse Paris, C/O Berlin, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zurich, MNAC National Museum of Contemporary Art Bucharest, MOBY, Museums of Bat Yam Tel Aviv and Museum on the Seam, Jerusalem. Upcoming shows include Beyond Borders, Beaufort, Belgium, On Remote Control, Lothringer13 Halle, Munich, Bright Shadow, The Morgue, Chelsea College of Arts, London. Walking trough Baghdad with a Buster Keaton Face and Various Fires and Four Running Boys are two artist books published by edition fink, Zurich

Clare Goodwin *1973 Birmingham, lives and works in Zürich, Switzerland since 2001.
Studied painting at Winchester School of Art (1993-1996) and the Royal College of Art (1996-1998) Recent solo shows include 'Broken Parallels, Karin Sachs Gallery Munich (2014) Bradfords Jolly, Christinger De Mayo Gallery, Zürich (2014) Unforced Errors, CGP London (2013) Kunsthalle Winterthur (2012) Selected group shows include the Birmingham Show, Eastside Projects (2015) 'Say it in Words', Coleman Project Space, London (2014)The New International, Galeria Pilar, Sao Paulo (2014) Trudelhaus Baden (2014) Forthcoming solo shows include 'The Museum of the Unwanted, Kunst Museum Olten (2015) and Centre PasquArt, Biel (2016) Alongside her practice Goodwin curates exhibitions and is co-founder of K3 Project Space, Zürich. Goodwin teaches at the F+F School for Art and Design, Zürich.

Justin Hibbs * 1971 UK, lives and works in London.
Studied at Central St. Martins, London (1991-94) Solo shows include PARA/SITE (2013) and Secondary Modern (2010) at Christinger De Mayo gallery, Zurich; Altneuland (2007) Lucy Mackintosh Gallery, Lausanne, Switzerland; Metroparadisiac (2006) and I'll Wait for you (2005) at the One in the Other Gallery, London. Selected group exhibitions include Pencil/Line/Eraser (2014) Carroll / Fletcher, London; Superstructures (2013), Arronitz Arte, Mexico City; Oh My Complex, Kunstverien Stuttgart, Germany (2012); Dawnbreakers (2010) Hansard Gallery, Southampton and the Jerwood Drawing Prize, London (2010). His curatorial projects include Misfits (2010) at Galerie DS Contemporary Art, Belgium; Working Space I and II (2008) at the University of the Arts Gallery, London and Lucy Mackintosh Gallery respectively; and News from Nowhere (2005) at Lucy Mackintosh Gallery. Forthcoming projects include a solo exhibition at the Carroll/Fletcher Gallery, London in June 2015. 

Vanessa Jackson *born 1953 Peaslake, UK, lives and works in London. 
Educated at St Martins School of Art and the Royal College of Art. Jackson has shown nationally and internationally. Recent shows have included “Rough Cut and Faceted” a solo show with Marcelle Joseph Projects and a three person show at Rook and Raven, “Abstract Geometry “ (2014)  Solo shows have included the North House Gallery, Manningtree, CGP London and Sadler’s Wells Theatre. Her practice has been included in “Painting”, Documents of Modern Art,Whitechapel, edited by Terry Myers, and Contemporary British Women Artists in their own words, edited by Rebecca Fortnum.Jackson was a participant in the ICA talk, The Trouble with Painting”. Jackson has edicated 35 years of lecturing as Head of Painting at Winchester School of Art, and then Research and MA tutor at the Royal College of Art.Most recently Senior Tutor at the Royal Academy Schools London.  She is presently chair of the Abbey Council and a member of the British School at Rome Fine Art Faculty.

Sophie Michael *1985 London, lives and works in London. 
Michael studied sculpture at Slade School of Fine Art (2004-2008) and fine art at the Royal Academy Schools (2009-2012). She received The Arts Bursary of the British School at Athens 2012-13; a grant from The Elephant Trust in 2013, and 'The Artist’s Cut' commission 2014-15, a Northern Film & Media initiative in partnership with BALTIC Centre for Contemporary Art. Michael’s work has recently been screened at Sunday Art Fair, London (2014); BALTIC Centre for Contemporary Art, Gateshead (2014), 27th Images Festival, Toronto (2014); 30th Hamburg International Short Film Festival (2014), Tate Modern (2013), and on www.fandor.com, US/Canada (ongoing). Alongside her practice she co-runs Watch It gallery with Andrew Munks, a self funded exhibition space in their house. Michael is represented by Seventeen Gallery in London.

Tim Renshaw  *1964 Brighton, lives and works in London.
Studied Fine Art at Leeds Polytechnic and Chelsea School of art and Design. Solo shows include ‘House in the Shape of a Stretcher’ Five Years, London (2011) ‘Images in the Vaguest Sense’ V22, London (2006). Recent group exhibitions include ‘John Moores’, Liverpool (2014) ‘Hidden’ WWP, Leeds (2014). Renshaw organises exhibitions with the group Outside Architecture recent projects include ‘One and One and One’ CGP, London, K3 Project Space, Zurich (2012) ‘Interior Life’ Herbert Read Gallery (2010). Renshaw Teaches at University of Reading

Kunst über Mittag / Art@Lunch Freitag, 20. März 12.30 h
Kunst über Mittag / Art@Lunch Donnerstag, 23. April 12.30 h   
«After Constructivism» Sonntag 29. März 12 h
Sabine Schaschl, Direktorin / director Museum Haus Konstruktiv Zürich & Professor Brandon Taylor, Southampton / Oxford University, unterhalten sich über das Erbe und die Zukunft der konstruktiven Kunst / in conversation about the legacy and the future of Constructivism.
Familienbrunch / Family Brunch 11 h

Tobias Nussbaumer

23. Mai bis 19. Juli 2015

Der schwarze Farbstift ist sein Fetisch, die Zentralperspektive seine Muse. Tobias Nussbaumer schafft Raumphantasien von bestechender Brillanz. Seine Bildräume sind von Wehmut durchzogen, erinnerungssatt und menschenleer. Die Installation, die der 1987 geborene Künstler im Kunstraum Baden aufbaute, führt in eine Welt ineinander verschachtelter Systeme. Diese prägt das Erleben im realen Kontinuum. Gezeichnete Ansichten von virtuellen Räumen entführen in eine suggestive, bühnenhaft angelegte Bildräumlichkeit. Die meist grossformatigen Papiere zeigen architektonische Situationen – aus immer wieder anderen Blickwinkeln und Perspektiven: In der Unübersichtlichkeit der realräumlichen und gedanklichen Systeme will sich keine Eindeutigkeit einstellen. Der Zentralperspektive, eigentlich Inbegriff von Ordnung und Orientierung, wird die Wirkung entzogen und der Blick, der in der Tiefe des virtuellen Raumes Verbindlichkeit sucht, prallt ab. Wer die verschachtelten Systeme von Tobias Nussbaumer zu ergründen sucht, bleibt womöglich im Netz seiner eigenen Vorstellungen hängen.

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Zentraler Ausgangspunkt seiner Arbeit, sagt Tobias Nussbaumer, sei der Begriff der Täuschung. Bei einem Künstler, der die perspektivische Illusion so sehr zelebriert wie er, ist dies keine eigentliche Überraschung. Mit grossem Eifer konstruiert Tobias Nussbaumer brillante Raumillusionen. Fluchtlinien, Lichtführung und präzis aufs Papier gesetzte Schattenwürfe gaukeln räumliche Tiefe vor und erzeugen einen starken Sog. Einen Sog, dem er sich allerdings nicht einfach tel quel hingibt, sondern dessen Bann er mit präzise kalkulierten Setzungen immer wieder von Neuem bricht.

Wer den Kunstraum betritt, sieht sich einer wandfüllend grossen Architekturansicht gegenüber: Der Blick geht an einer runden Maueröffnung vorbei ins menschenleere Freie. Ein kahler Baum, ein paar Rabatten, eine Mauer. Was liegt dahinter? Vielleicht ein Park oder eine Strasse? Und wo stehen wir? Blicken wir aus einem Haus heraus oder blicken wir von draussen durch eine Laube hindurch in einen Garten?

Es ist vertrackt: Jeder meint einzelne Elemente wieder zu erkennen und kann den Ort dennoch nicht identifizieren. Bei der Annäherung an die perfekt inszenierten Zeichnungen löst sich die Architektur in wilde Schraffuren auf. Aus einem Baum, einer Türklingel, einem schlichten Betonklotz wird etwas vollkommen Abstraktes – alles ist Erscheinung und der Betrachter ist mit einem Bild diffuser Unschärfe konfrontiert.

Als zweite Ebene kommt die räumliche Inszenierung hinzu. Tobias Nussbaumer verstellt uns zwar den Blick in die hinteren Tiefen seiner Raumillusionen, hängt das Bild selbst dafür aber so in den Raum, dass wir drumherum gehen und in der Wand dahinter eine Tür entdecken können. Der Raum, mit Parkett ausgelegt, hat etwas von einer kleinen 1-Zimmerwohnung, ist aber das nachgebaute Atelier des Künstlers, bei dem die Tapete weichen musste für grosszügige Zeichnungswände. Und damit haben wir – zumindest metaphorisch – einen suggestiven Orientierungspunkt in einem Setting, in dem die Gewissheiten alsbald wieder aufgeweicht und ausgehebelt werden. Einen eigentlichen Ausblick aus dem Atelierfenster gibt es keinen: Hinter dem Alurollo, das vor dem Fenster hängt, befindet sich eine nackte Wand. Und die gläserne Tür zur linken führt nicht, wie im wirklichen Atelier des Künstlers, ins Badezimmer, sondern aus der ruhigen Kammer hinaus in einen schmalen Gang. Wo führt er uns hin?

In der Installation, die sich Tobias Nussbaumer ausgedacht hat, fallen wir laufend aus einer Kulisse in die nächste, von einem Setting ins andere. Gezeichnete und physisch gebaute Täuschungen lösen einander ab und ziehen uns immer tiefer in einen Malstrom der Irritationen. Was sehen wir jetzt, was haben wir vorhin gesehen? Woran erinnern wir uns, was erkennen wir wieder? Was ist authentisch, was eine Täuschung? Gibt es eine Wirklichkeit jenseits der Illusion? (Rolf Bismarck & Claudia Spinelli)

Tobias Nussbaumer (geb. 1987 in Basel, wo er auch lebt und arbeitet). Seit 2014 MA Fine Arts, FHNW HGK Institut Kunst, Basel. 2012 Philosophie und Kunstgeschichte, Universität Basel
2008 - 2011 BA Illustration fiction, HSLU D&K, Luzern. www.tobiasnussbaumer.com
Tobias Nussbaumer ist für das Kiefer-Hablitzel-Stipendium 2015 nominiert und wird mit einer neuen Arbeit in der Ausstellung der «Swiss Art Awards» 16. – 21. Juni in Basel zu sehen sein.

Vernissage Freitag 22. Mai 18-21 Uhr
Begrüssung Daniela Berger, Stadträtin Baden & Einführung mit Rolf Bismarck und Claudia Spinelli, Kuratoren der Ausstellung 18.30 Uhr
KulTour in Baden Samstag 6. Juni, 17.30, 19.00, 20.00 Uhr
Konzert mit Sonoe Kato (mezzo soprano), Xenia Schindler (harp) und Christoph Gallio (soprano sax, composition)
Künstlergespräch Sonntag 7. Juni 12 Uhr
Mit dem Künstler, den Kuratoren und Samuel Leuenberger, Direktor SALTS, als Gesprächsgast
Kunst über Mittag Freitag 12. Juni und Donnerstag 2. Juli jeweils 12.30 Uhr

Christoph Gallio «Soziale Musik» mit Maureen Kaegi

20. September bis 15. November 2015

Musik und Kunst spannen zusammen, Klang und Farbe und Form interagieren. Der Musiker Christoph Gallio hat eine interaktive Klanginstallation konzipiert, Maureen Kaegi dazu eine subtile Rauminstallation.

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Wenn es um Musik geht, sind die Rollen in der Regel klar verteilt. Auf der einen Seite stehen die aktiven Musiker, auf der andern die passiven Zuhörer. An diesem Grundprinzip ändert sich selbst dann nichts, wenn zu Klängen aus der Konserve getanzt wird. Der Lead bleibt beim Rhythmus, dem sich das tanzende Publikum unterwirft. Punkt Basta. Punkt Basta? Im Kunstraum Baden tritt der Badener Musiker und Komponist Christoph Gallio den Beweis an, dass es auch anders geht. Sein Projekt heisst «Soziale Musik». Basis ist die Interaktivität. Dank neuster Elektronik werden die erlernten Rollen ausgehebelt und die ehemaligen Konsumenten können spielerisch mit kurzen Klangmodulen interagieren. Nach der Website und einer App wird das Projekt nun aus der Virtualität geholt. Davon ausgehend entwickelte die junge Künstlerin Maureen Kaegi eine subtile räumliche Intervention. Ihre Arbeit fügt sich wie eine geometrische Notensetzung zur modularen Struktur des musikalischen Projektes.

Je nachdem, wie sich die Ausstellungsbesucher im oder durch den Raum bewegen, werden einzelne Musikmodule an- oder ausgeschaltet. Wenn mehr Menschen im Raum sind, klingt es anders, als wenn nur drei anwesend oder die Bewegungen ganz langsam sind. Was passiert, wenn wir den Arm ausstrecken? Wenn wir zu zweit tanzen oder wenn wir uns im Zeitlupentempo diagonal durch den Raum bewegen. Können wir unsere Bewegungen koordinieren und gemeinsam die Klänge steuern? Christoph Gallios «Soziale Musik» will Schwellenängste abbauen und zum experimentellen Spiel mit Musik einladen.

Christoph Gallio pflegt seit eh und je enge Kontakte zur Kunstszene. Dies hat sich auch in der Produktion seiner Tonträger niedergeschlagen, deren Gestaltung ausnahmslos in Kooperation mit Kunstschaffenden entstanden ist. Die Kassetten, LPs und CDs sind im Foyer ausgestellt. Auf der Liste der Partner befinden sich so illustre Persönlichkeiten wie Alex Katz, Ai WeWei oder das Künstlerduo Gilbert & George, aber auch bekannte Schweizer wie Jan Anüll, Caro Niederer und immer wieder Beat Streuli. In Zusammenarbeit mit diesem ist auch eine DVD entstanden, in der sich Bild und Klang perfekt ergänzen. Dieses Werk, das im dunklen Durchgang zwischen Foyer und Hauptsaal zu erleben ist, zeigt zudem die breiten Interessen des Komponisten Christoph Gallio auf, der sich – ohne Berührungsängste und lustvoll – zwischen unterschiedlichsten instrumentalen, stilistischen und kulturellen Kontexten bewegt und voller Neugierde analoge Klänge und elektronische Technik zusammenbringt.

Die Spannung zwischen analoger und digitaler Welt ist auch für Maureen Kaegis Schaffen prägend. Ihre modulare Bodenarbeit und ihre von Lineaturen in Grundfarben geprägten Bilder spiegeln die digitale Welt und sind doch analog. Dieses Sowohl-als-auch zieht sich durch die gesamte Installation. Maureen Kaegis wunderschöne Graphitwand ist schwarz und glänzt doch silbern.

Passend zur Ausstellung rückt das Rahmenprogramm Musik in den Fokus und präsentiert zwei ebenso spezielle wie unterschiedliche Konzerte: «Drastic Dislocations» mit Barry Wallenstein, Luigi Archetti und Mario Marchisella am 24. September und das japanische Duo «Fuchigami to Funato». Infos und Links finden Sie weiter unten.

Christoph Gallio wurde 1957 in Winterthur geboren und lebt und arbeitet heute in Baden.
www.soziale-musik.ch, www.gallio.ch
Maureen Kaegi wurde 1984 in Neuseeland geboren und lebt und arbeitet heute in Wien und in Zürich. www.maureenkaegi.net
Technischer Support by c1Audio.com (Claudio Zopfi)
Musik: Komponiert und zusammengestellt von Christoph Gallio mit den Gästen Kazumi, Andrea Neumann, Oliver Steidle, Sven-Åke Johansson, Jan Roder, Olaf Rupp, Helmut Erler und Hans Benda
Aufnahme, Mix und Master: Helmut Erler in Berlin, 2009
Dank an Ernst Thoma, Max Treier
Christoph Gallio soprano and alto saxophone
Guests: Andrea Neumann inside piano and mixer, Kazumi voice, Hans Benda electronics, Helmut Erler voice and field recording, Sven-Åke Johansson drums, Jan Roder double bass, Olaf Rupp guitar, Oliver Steidle percussion
Recorded, mixed and mastered by Helmut Erler in Berlin between March and May 2009
Composed, made by measure by Christoph Gallio

Vernissage Samstag 19. September 18-21 Uhr
Einführung mit Claudia Spinelli, Leiterin Kunstraum und Kuratorin der Ausstellung 18.30 Uhr
Kunst über Mittag Donnerstag 1. Oktober und Freitag 30. Oktober jeweils 12.30 Uhr   
Konzert «Drastic Dislocations» Donnerstag 24. September 20 Uhr
Spoken Word gepaart mit experimenteller Rock/Pop Musik und jazzigen, elektronischen, improvisierten Elementen. Mit Barry Wallenstein, Luigi Archetti, Mario Marchisella.
Konzert «Fuchigami to Funato» Samstag 3. Oktober 20 Uhr
Schräger Akkustic Pop aus Kyoto (Japan)
Finissage mit Künstlergespräch Sonntag 15. November 16 Uhr
Mit den KünstlerInnen, der Kuratorin und Urs Küenzi, freier Kurator und Gründer Substitut Berlin als Gesprächsgast

Fokus Sammlung: Erico Schommer & Levent Pinarci

3. Dezember 2015 bis 17. Januar 2016

Hyperrealistische Ansichten und sehnsuchtsvolle Landschaften, phantastisch und mithin von fast triefender Symbolik. Viele der Bilder von Erico Schommer (1943 bis 1985) erinnen an Plattencover aus den Siebzigern. Sie zeugen von einer Zeit, als manches am Aufbrechen war, schildern die atomare Katastrophe und phantasieren eine neue, mytische Weltordnung. Auch dreissig Jahre nach ihrem Entstehen vermögen die Bilder von Erico Schommer zu faszinieren. Wer war der Outsider, der an der Ennetbadener Limmatau lebte und die Welt mit nur 43 Jahren viel zu früh verliess?

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Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus dem Fundus der städtischen Sammlung, Leihgaben aus dem Aargauer Kunsthaus und aus Privatbesitz. Sie folgt keiner zeitlichen Chronologie, will vielmehr als stimmige Installation den lange vergessenen Künstler in seiner ganzen Vielfalt in den Vordergrund rücken. Ergänzend entwickelt der junge Künstler Levent Pinarci (geb. 1987) über die gesamte Dauer der Ausstellung hinweg ein interventionistisches Projekt, das kurz vor Ausstellungsende in einer Performance seinen Abschluss finden wird (Mittwoch 13. Januar).

Der Badener Künstler begann mit kleinen surrealistischen Bildern, die er bei Gelegenheit in der Kornhaus-Galerie oder im einen oder anderen Café in der Stadt Baden ausstellte. Die Beeinflussung durch Salvador Dali bezeichnete die mit technischer Raffinesse gemalten Bildwelten. Auf Anraten von Heiry Widmer, dem Direktor des Aargauer Kunsthauses, wandte er sich dem damals angesagten Fotorealismus zu, vom dem er sich aber bald wieder distanzierte. Feine Irritationen, verwirrende und bedrohliche Details durchziehen die in fotorealistischer Perfektion gemalte Welt. Durch die Verfremdung der scheinbaren Idylle der Fotografie zeigen die Werke Schommers in der Synthese von Surrealismus und Fotorealismus eine Welt, die aus den Fugen gerät.

Erico Schommer hatte Anfang der 70er Jahre einen fulminanten Start. 1942 in Fleurier im Kanton Neuenburg geboren, absolvierte er zunächst eine Lehre als Maschinenzeichner und arbeitete bei der BBC. Im Zuge einer Reorganisation wurde seine Abteilung aufgehoben, worauf Schommer die Gelegenheit nutzte, um sich seiner eigentlichen Leidenschaft zu widmen. Schon früh zu Malerei und Zeichnung hingezogen – er hatte während einiger Zeit die Bieler Kunstgewerbeschule besucht – gab Schommer seinen Beruf auf und konzentrierte sich auf seine Malerei. Vom Kanton Aargau hatte er bald ein Werkjahr zugesprochen bekommen, ausserdem von der Eidgenossenschaft ein Kunststipendium. 1973 war er gleich an mehreren Ausstellungen beteiligt. Im Aargauer Kunsthaus wurden seine Werke im Kreise international bekannter Realisten und Fotorealisten an der Ausstellung «Formen des Realismus» gezeigt. In Zürich war er an der ersten Biennale der Schweizer Kunst unter dem Titel «Stadt in der Schweiz» im Kunsthaus vertreten.

Erico Schommmers Bilder wurden mit der Zeit allerdings immer rätselhafter. Abfallberge füllten die Strassen der Badener Altstadt, glühend heiss zerschmolzen die Geländer der Halde, kleine Vulkane wuchsen aus der Strassenpflästerung, stille Landschaften verwandelten sich in Höllen. «[S]eltsame Zeichen erhoffter, befürchteter oder geträumter Transzendenz» rüttelten an den Fundamenten einer zu wanken beginnenden Welt. «Wir haben die bösen Mächte längst nicht mehr unter Kontrolle», wird Schommer in der Ennetbadener Post zitiert. Mit der Atombombe sei der Tod zum schaltbaren Plural gemacht worden. Schommer kehrte dieser durch Kriege, Tod und Gewalt gezeichneten Welt den Rücken und auch aus dem Kunstbetrieb zog er sich zurück. Durch seinen absonderlichen Habitus geriet er zunehmend ins gesellschaftliche Abseits. Im Alter von 43 Jahren starb Schommer im Februar 1985. (Fabian Frei)

Als der junge Künstler Levent Pinarci auf die Welt kam, war Erico Schommer bereits vier Jahre tot. Als Mitarbeiter des Kunstraumes kam der 1989 Geborene mit Schommers Werk in Berührung und war sogleich fasziniert. Der Aufforderung, künstlerisch auf die Ausstellung zu reagieren, kam er mit zwei präzisen Setzungen nach: das blaue Hoodie auf der Heizung stammt aus seiner Hand, ebenso die Bild-Text Collage hinter Glas neben dem Fenster. Zum Hoodie schreibt der junge Künstler: «Ich habe den Hoodie zum Trocknen auf die Heizung gelegt. Ich verstehe dieses Readymade als radikale Gegenposition zu den realistischen Malereien in diesem Teil der Ausstellung. Die banale Realität auf den Strassen soll in den Kunstraum gelangen und dort - genau so wie bei den Bildern Schommers - ein Unbehagen gegenüber ebendieser Banalität des Alltäglichen symbolisieren.» Die Text-Bild Collage basiert auf dem Archiveintrag zu einem Bild, das – da leider unauffindbar – nicht in der Ausstellung ist. Es zeigt einen stürzenden Motorradfahrer, einen Verkehrsunfall also, und trägt den wunderlichen Titel «Der Glückspilz». In seinem Text versucht Levent Pinarci, die Geschichte des verunfallten Motorradfahrers weiterzuerzählen. Er beschreibt eine Nahtoderfahrung, eine Art Vision. Damit rückt er einen Umstand in den Fokus, der auch heute noch an Schommer fasziniert: sein Interesse und seine Fähigkeit, Fantasie und Realität miteinander zu verquicken, Risse im Gefüge der Normalität aufzuzeigen. Das Erstaunliche ist, dass dieses Bruchlinien subkutan auch in denjenigen Bildern spürbar werden, die scheinbar ganz der Realität verpflichtet sind.

Die Ausstellung ist der Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe, welche nach 2011 zum zweiten Mal die städtische Kunstsammlung in den Fokus nimmt und dank einem Beitrag der Ortsbürgergemeinde möglich wird. Sie umfasst neben Ausstellung und Rahmenprogramm im Kunstraum ab Januar 2016 auch einzelne Führungen und Veranstaltungen im Stadthaus. Die aktuellen Angebote finden Sie auf unserer Website www.kunstraum.baden.ag.ch oder im elektronischen Newsletter, den wir regelmässig versenden. (Anmeldung Newsletter: kunstraumNULL@baden.ag.ch)

Erico Schommer (geb. 1943 in Fuerier / NE – gestorben 1985 in Ennetbaden).
Levent Pinarci (geb. 1989 in Aarau)

Vernissage Donnerstag, 3. Dezember 18 Uhr
Begrüssung Dr phil. I Gabriele Stemmer Obrist, Ortsbürgergemeinde Baden 18.30 Uhr
Einführung Claudia Spinelli, Leiterin Kunstraum Baden
Konzert Ensemble Tzara Freitag 11. Dezember, 20 Uhr / mehr dazu: www.ensembletzara.ch
Gastspiel Eingangsirrtum Mittwoch 16. Dezember, 20 Uhr / mehr dazu: www.eingangsirrtum.ch
Kunst über Mittag Donnerstag 17. Dezember 12.30 Uhr
Kunst über Mittag Freitag 15. Januar 12.30 Uhr   
Podium und Performance Mittwoch 13. Januar 19 Uhr 
Sabine Altorfer, Kulturredaktorin AZ, unterhält sich mit Zeitzeugen über die Badener Subszenen 19 bis 20 Uhr
Performance Levent Pinarci 20 Uhr