Pat Noser «Geplante Obsoleszenz - Gedanken zum überstürzten Weltuntergang»
28. August bis 24. Oktober 2021
Friedhöfe, zerstörte Landschaften, bedrohlich leere Häuserschluchten oder Fleisch, auf dem sich die Maden tummeln. Im Fokus der Malerei von Pat Noser stehen Zerfallsprozesse. Natürliche und dezidiert auch solche, die als geplanter Verschleiss den Konsum am Laufen und die Wirtschaft am Wachsen halten – mit für Mensch und Klima drastischen Folgen.
Diesem künstlich angeheizten Konsum tritt Pat Noser mit einem Medium entgegen, dem die Nachhaltigkeit implizit ist. Ihr virtuos gemalter Realismus fasziniert und zwingt zum Innehalten. Pat Nosers Sorgfalt ist eine widerständige Geste. Machtkritik, die bei aller Ohnmacht auch Hoffnung macht.
© Fotos von Rolf Bismarck
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Im Fokus der kommenden Einzelausstellung im Kunstraum Baden steht der Begriff der „geplanten Obsoleszenz“. Damit sind Strategien gemeint, die Lebensdauer von Produkten – von der Glühbirne über den Velopneu bis zum Wohnsilo – künstlich zu verkürzen, um dem Wachstumsdogma unseres Wirtschaftssystems zu entsprechen.
In der Ausstellung werden aber nicht nur mehr oder weniger intensive Schreckensszenarien, sondern – als positiver Gegenpol – auch die sogenannte „Ikonensammlung“ der Künstlerin ihren Platz finden. Diese Ikonen sind Bildnisse von Menschen, die Hoffnung machen. Weil sie Widerstand geleistet oder Grosses und Wichtiges geschaffen haben – Nachhaltigkeit statt Kurzlebigkeit, Menschlichkeit statt Gewinnoptimierung, die Wahrheiten hinter den Lügen. Die Namensliste ist lang und reicht von Hannah Arendt über Dolly Parton bis zu Frank Zappa.
Eine kleine multimediale Installation, die der Künstler und Musiker Monsignore Dies (geb 1966 in Lengnau, lebt in Biel) in Kooperation mit seiner Lebenspartnerin Pat Noser eingerichtet hat, ergänzt das eindringliche Narrativ der Ausstellung.
Pat Noser ist 1960 in Aarau geboren und lebt seit vielen Jahren in Biel. Sie hat an der zhdk studiert, verfügt über eine lange Ausstellungsbiografie und hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten. Zuletzt 2019 einen Werkpreis vom Aargauer Kuratorium. www.patnoser.com
Insert FANTOCHE
Die Welt am Abgrund und die Frage, was dagegen zu tun wäre, treibt auch die Welt des Animationsfilms um. Das in Kooperation mit FANTOCHE zusammengestellte Insert zeigt zwei Kurzfilme, die das Setting von Pat Noser irritierend ergänzen: «Vadim on a Walk» von Sasha Svirski und «Peripheria» von David Coquard-Dassault.
Termine
Freitag 27. August 18-21 Uhr
Vernissage
19 Uhr Einführung in die Ausstellung mit Claudia Spinelli, Leiterin Kunstraum Baden
20.30 Uhr Hip-Hop mit Tilt, Migo, Pit & MQ von der Chaostruppe
Essen und Trinken im Hof (bei schlechtem Wetter unter dem schützenden Glasdach)
Dienstag 14. September 19 Uhr
Lesung mit Musik: Dragica Rajčić & Anna Trauffer
Die in Kroatien geborene Dragica Rajčić pflegt in ihren deutschsprachigen lyrischen Werken einen bewusst an das so genannte „Gastarbeiterdeutsch“ angelehnten Stil. Ihre Lesung wird von der Musikerin Anna Traufer akustisch begleitet.
Eröffnung von Lyrical Link in Baden: www.lyricallink.ch
Freitag 1. Oktober 12.15 Uhr
Kunst über Mittag
Ausstellungsrundgang mit Claudia Spinelli & Pat Noser
Anschliessend Mittagsteller (CHF 12.00)
Anmeldung bis am Vortag um 12 Uhr: kunstraum@baden.ch
Mittwoch 20. Oktober 20 Uhr
Gastspiel: Nick Hornby «Nipple Jesus»
Nach Stationen im Kunstmuseum Winterthur, im Centre Pasquart und im Kunstmuseum St. Gallen gastiert das Einpersonenstück von Nick Hornby rund um brennende Fragen aus der Welt der Kunst für die allerletzte Aufführung im Kunstraum Baden.
Gilles Tschudi, Schauspiel, Julia Heinrichs, Regie
Preise: CHF 30 / CHF 25 (AHV/IV) / CHF 15 (Stud & Jugendliche)
Reservation dringend empfohlen: kunstraum@baden.ch
Sonntag 24. Oktober 16 Uhr
Finissage
Ausstellungsrundgang mit Pat Noser & Anna Wesle, Kuratorin Museum Franz Gertsch
Apéro
Realisiert werden konnte die Ausstellung von Pat Noser dank grosszügiger Unterstützung durch die Stiftung Anne-Marie Schindler. Für das Jahresprogramm erhält die städtische Institution Kunstraum Baden regelmässig Beiträge vom Aargauer Kuratorium, von der Gemeinde Ennetbaden, von der Ernst Göhner Stiftung und vom Migros Kulturprozent. Vielen herzlichen Dank!